Berichte verstehen

Nachhaltigkeitsbericht eines Fonds lesen: vom Versprechen zum Ergebnis

Ein Nachhaltigkeitsbericht kann zeigen, wie ein Fonds seine ökologischen oder sozialen Merkmale im vergangenen Berichtszeitraum umgesetzt hat. Aussagekräftig wird er durch den Vergleich mit den vorher zugesagten Regeln.

Herausgeber: Deutsch Marketing GmbH · Stand: · ca. 3 Minuten Lesezeit

Mit KI-Unterstützung erstellt · Hinweise zu möglichen Fehlern und zur Nutzung

Das Wichtigste

Legen Sie verbindliche Vorgaben und berichtete Ergebnisse nebeneinander. Prüfen Sie Zeitraum, Berechnung und Datenbasis, bevor Sie aus einer hohen Quote auf eine besonders nachhaltige Geldanlage schließen.

In diesem Artikel
  1. Zuerst das richtige Dokument finden
  2. Aus Zielen überprüfbare Fragen machen
  3. Prozentwerte mit ihrer Bezugsgröße lesen
  4. Veränderungen und Datenlücken einordnen
  5. Eine kurze Prüfliste statt eines Gesamtsiegels

Zuerst das richtige Dokument finden

Suchen Sie auf der offiziellen Produktseite nach dem letzten Jahresbericht und der darin enthaltenen nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegung. Kontrollieren Sie Fondsname, ISIN und Berichtszeitraum. Bei einem Bericht für mehrere Teilfonds benötigen Sie die Seiten zu Ihrem konkreten Fonds.

Ein Nachhaltigkeitsbericht der Fondsgesellschaft über deren eigene Büros oder Geschäftsreisen beantwortet andere Fragen als der Bericht über Ihre Anlage. Die Europäische Kommission erläutert die SFDR-Offenlegung als Zusammenspiel von vorvertraglichen Angaben, Internetinformationen und regelmäßigen Berichten. Erst diese Ebenen zusammen ermöglichen einen brauchbaren Vergleich. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht kann zudem einen bereits länger zurückliegenden Zeitraum beschreiben.

Aus Zielen überprüfbare Fragen machen

Öffnen Sie zusätzlich die für den Berichtszeitraum geltenden vorvertraglichen Nachhaltigkeitsangaben. Schreiben Sie wenige konkrete Zusagen heraus: Welche Merkmale werden beworben? Welche Ausschlüsse sind verbindlich? Welcher Mindestanteil nachhaltiger Investitionen ist vorgesehen? Welche Kennzahlen sollen die Umsetzung zeigen?

Stellen Sie diesen Zusagen die berichteten Ergebnisse gegenüber. Die von ESMA bereitgestellten SFDR-Vorlagen helfen dabei, die wiederkehrenden Fragen und Dokumentarten wiederzuerkennen. Die bloße Einstufung des Fonds ersetzt diesen Abgleich nicht. Die Bedeutung der Kategorien erläutert Artikel 8 und Artikel 9 bei Fonds.

Prozentwerte mit ihrer Bezugsgröße lesen

Fiktives Beispiel: Ein Fonds nennt vorab mindestens 40 Prozent nachhaltige Investitionen und berichtet später einen tatsächlich erreichten Anteil von 55 Prozent. Der Abstand beträgt 15 Prozentpunkte. Das ist weder eine Rendite von 15 Prozent noch ein Beleg für eine entsprechend große Umweltverbesserung.

Klären Sie, worauf sich die Prozentzahl bezieht und wie sie ermittelt wurde. Handelt es sich um einen Stichtag oder einen Durchschnitt? Werden bestimmte Positionen ausgeschlossen? Ein Anteil nachhaltiger Investitionen nach SFDR und ein Anteil taxonomiekonformer Tätigkeiten beantworten unterschiedliche Fragen. Addieren Sie solche Werte nicht ungeprüft; Kategorien können sich überschneiden.

Veränderungen und Datenlücken einordnen

Vergleichen Sie möglichst zwei Berichtsjahre. Hat sich eine Kennzahl verbessert, suchen Sie nach der Erklärung: Haben Unternehmen ihre Tätigkeit verändert, wurden andere Wertpapiere gekauft oder wurde die Berechnung angepasst? Eine niedrigere Emissionskennzahl allein trennt diese Ursachen noch nicht.

Notieren Sie die Datenabdeckung und Hinweise auf Schätzungen. Ein fehlender Wert bedeutet nicht automatisch, dass kein nachteiliger Einfluss besteht. Änderungen beim Datenanbieter können einen Zeitvergleich zusätzlich erschweren. Bei CO₂-Angaben hilft unser Ratgeber zum CO₂-Fußabdruck eines Depots, Einheiten und Aussagegrenzen zu unterscheiden.

Eine kurze Prüfliste statt eines Gesamtsiegels

  • Gehören Dokument, ISIN und Berichtszeitraum zusammen?
  • Welche verbindlichen Zusagen lassen sich im Ergebnis wiederfinden?
  • Welche Bezugsgrößen und Berechnungsregeln werden verwendet?
  • Werden Abweichungen, Schätzungen und fehlende Daten erklärt?
  • Passen auffällige große Positionen zu den beschriebenen Auswahlregeln?
  • Welche konkrete Frage bleibt an den Anbieter offen?

Speichern Sie die geprüften Dokumente mit Datum und formulieren Sie offene Fragen möglichst präzise. „Wie wurde diese Quote berechnet?“ lässt sich eher beantworten als „Ist der Fonds wirklich grün?“. Der Bericht liefert Bausteine für Ihre Beurteilung. Er ersetzt weder die Prüfung von Kosten und Risiken noch einen Nachweis, dass allein Ihr Anteilskauf eine zusätzliche gesellschaftliche Wirkung verursacht hat.