Nachhaltigkeit prüfen

ESG-Ratings verstehen: Warum Bewertungen voneinander abweichen

Ein Unternehmen kann bei einem ESG-Anbieter gut und bei einem anderen deutlich schwächer abschneiden. Solche Abweichungen werden verständlicher, wenn man zuerst fragt, was die jeweilige Bewertung messen soll.

Herausgeber: Deutsch Marketing GmbH · Stand: · ca. 2 Minuten Lesezeit

Mit KI-Unterstützung erstellt · Hinweise zu möglichen Fehlern und zur Nutzung

Das Wichtigste

Lesen Sie ein ESG-Rating zusammen mit seiner Methode. Eine gute Gesamtnote ist weder eine Renditeprognose noch automatisch ein Nachweis positiver Umweltwirkung.

In diesem Artikel
  1. Zuerst die Bewertungsfrage klären
  2. Daten und Gewichtung verändern das Ergebnis
  3. Die Vergleichsgruppe beachten
  4. Was Regulierung verändert
  5. Ein Ratingblatt in sechs Punkten

Zuerst die Bewertungsfrage klären

ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Hinter einer Bewertung können jedoch unterschiedliche Fragen stehen: Wie stark ist ein Unternehmen Nachhaltigkeitsrisiken ausgesetzt? Wie gut steuert es diese? Oder welche Auswirkungen hat es auf Umwelt und Gesellschaft?

Eine Untersuchung der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA zu ESG-Ratings beschreibt Unterschiede in Methoden und Bewertungen. Für Ihren Vergleich heißt das: Notieren Sie zuerst das Bewertungsziel, bevor Sie zwei Noten wie Schulnoten nebeneinanderstellen.

Daten und Gewichtung verändern das Ergebnis

Bewertungen hängen davon ab, welche Informationen verfügbar sind, wie fehlende Angaben behandelt werden und welchen Themen die Methode besonderes Gewicht gibt. Eine zusammengefasste Note kann außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Bereichen E, S und G verdecken.

Fiktives Beispiel: Unternehmen A erhält beim Klimathema eine schwache, bei Unternehmensführung eine starke Bewertung. Werden beide Bereiche unterschiedlich gewichtet, kann die Gesamtnote erheblich variieren. Das ist zunächst ein Anlass, die Rechenlogik zu prüfen.

Die Vergleichsgruppe beachten

Fragen Sie, ob das Unternehmen mit der eigenen Branche oder mit dem gesamten Markt verglichen wird. Ein relativ gutes Ergebnis innerhalb einer belastenden Branche ist nicht gleichbedeutend mit geringen absoluten Umweltauswirkungen.

Auch die Skala muss verständlich sein: Ist eine hohe Zahl gut oder schlecht? Bedeutet ein Buchstabe ein absolutes Niveau oder einen Rangplatz? Übertragen Sie Symbole nicht ohne Erklärung von einem Anbieter auf einen anderen.

Was Regulierung verändert

Für ESG-Ratinganbieter gilt in der EU seit dem 2. Juli 2026 ein eigener Regulierungsrahmen. Die ESMA informiert über Aufsicht, Registrierung und Übergangsverfahren. Die Regeln zielen auf Transparenz und Integrität der Ratingtätigkeit.

Eine Beaufsichtigung macht aus unterschiedlichen Methoden aber nicht automatisch eine einheitliche Nachhaltigkeitsnote. Ein Registereintrag sollte deshalb nicht als staatliche Empfehlung für ein konkretes Wertpapier verstanden werden.

Ein Ratingblatt in sechs Punkten

  1. Name des Anbieters und genaue Bezeichnung des Ratings
  2. Bewertungsgegenstand: Unternehmen, Fonds oder einzelnes Produkt
  3. Ziel und Vergleichsgruppe der Methode
  4. Datum und Aktualisierungsrhythmus
  5. Wesentliche Datenlücken und Teilbewertungen
  6. Relevanz für Ihre eigenen Ausschlusskriterien

Nutzen Sie Ratings als Ausgangspunkt für Rückfragen. Ergänzend helfen konkrete Unternehmensdaten, Fondsbestände und die veröffentlichten Regeln. Lesen Sie dazu Ausschlusskriterien richtig prüfen.