ETF-Geschäfte verstehen
Wertpapierleihe bei nachhaltigen ETFs: Ertrag, Sicherheiten und Stimmrechte
Manche ETFs verleihen vorübergehend Wertpapiere aus ihrem Bestand. Dafür erhalten sie Einnahmen. Bei nachhaltigen Fonds lohnt sich zusätzlich der Blick auf Sicherheiten und die Folgen für Abstimmungen bei Unternehmen.
Mit KI-Unterstützung erstellt · Hinweise zu möglichen Fehlern und zur Nutzung
Wertpapierleihe ist eine zusätzliche Tätigkeit mit eigenen Chancen und Risiken. Prüfen Sie die tatsächliche Nutzung, den beim Fonds verbleibenden Ertrag und die Regeln zum Rückruf vor wichtigen Abstimmungen.
In diesem Artikel
Was bei der Wertpapierleihe geschieht
Der Fonds überträgt Wertpapiere vorübergehend an einen Entleiher, etwa eine Bank, und erhält dafür eine Vergütung sowie vereinbarte Sicherheiten. Am Ende sind gleichartige Wertpapiere zurückzuliefern. Die wirtschaftliche Entwicklung der verliehenen Position bleibt für den Fonds relevant.
Der zusätzliche Ertrag entsteht damit nicht ohne Gegenleistung oder Risiko. Verwechseln Sie außerdem zwei Ebenen nicht: Ein ETF kann Wertpapiere aus seinem Portfolio verleihen. Davon getrennt kann ein Depotanbieter ein eigenes Programm anbieten, bei dem Kunden ihre ETF-Anteile verleihen. Dieser Beitrag betrifft ausschließlich die Geschäfte innerhalb des Fonds.
Erlaubte Obergrenze und tatsächliche Nutzung trennen
Im Prospekt steht, welche Geschäfte erlaubt sind. Das sagt noch nicht, in welchem Umfang der Fonds diese Möglichkeit tatsächlich nutzt. Suchen Sie deshalb zusätzlich im Jahresbericht nach verliehenen Positionen, Gegenparteien und den erhaltenen Sicherheiten.
Die ESMA-Leitlinien zu ETFs und anderen OGAW, Abschnitt X sehen Angaben zu solchen Geschäften und ihren Erträgen und Kosten vor. Außerdem soll der Fonds verliehene Wertpapiere jederzeit zurückrufen oder die Vereinbarung beenden können. Ein hoher erlaubter Höchstwert ist nicht dasselbe wie ein hoher durchschnittlicher Leihbestand. Ein einzelner Stichtag zeigt wiederum keine vollständige Jahresentwicklung.
Den Ertrag nach Kosten betrachten
Fiktives Beispiel: Leihgeschäfte bringen in einem Berichtsjahr 100.000 Euro Bruttoeinnahmen. Nach ausgewiesenen direkten und indirekten Betriebskosten von 25.000 Euro verbleiben 75.000 Euro für den Fonds. Diese Zahlen beschreiben die Geschäfte des Fonds insgesamt, nicht eine persönlich zugesagte Ausschüttung.
Prüfen Sie, wer die abgezogenen Vergütungen erhält und ob diese Stelle zum selben Konzern gehört. Eine ESMA-Antwort zu Wertpapierleihe und Gebührenoffenlegung behandelt ausdrücklich den Fall, dass die Verwaltungsgesellschaft selbst als Leihagent handelt. Erst mit den Abzügen lässt sich der Nutzen einordnen. Höhere Leiheinnahmen allein beweisen weder geringere Gesamtkosten noch ein besseres Anlageergebnis.
Sicherheiten und Abstimmungen gehören zur Prüfung
Sicherheiten begrenzen das Risiko eines Entleiherausfalls, beseitigen es aber nicht automatisch. Fragen Sie nach zulässigen Vermögenswerten, Bewertung und Abschlägen. Für eine nachhaltige Anlage ist außerdem relevant, ob und welche Nachhaltigkeitsregeln für die Sicherheiten gelten. Die Filter des Zielindex lassen sich darauf nicht ungeprüft übertragen.
Bei verliehenen Aktien kann ein rechtzeitiger Rückruf erforderlich sein, damit der Fonds abstimmen kann. Die 2026 veröffentlichte Richtlinie von Vanguard zu Wertpapierleihe und Stimmrechten beschreibt beispielsweise eine Abwägung zwischen Bedeutung der Abstimmung und entgehenden Leiheinnahmen. Das ist ein konkreter Anbieterprozess, kein einheitlicher Standard für alle Fonds. Fragen Sie nach der tatsächlich geltenden Rückrufpolitik.
Diese Fragen machen den Vergleich konkret
- Ist Wertpapierleihe erlaubt und wurde sie tatsächlich genutzt?
- Welche Angaben gibt es zu Umfang, Gegenparteien und Sicherheiten?
- Wie hoch waren Bruttoertrag, Abzüge und Nettoertrag?
- Gelten Nachhaltigkeitsfilter auch für die Sicherheiten?
- Wer entscheidet über Rückrufe vor Abstimmungen?
- Gibt es nachvollziehbare Angaben zur praktischen Umsetzung?
Dokumentieren Sie die Antworten für denselben Berichtszeitraum. Die Entscheidung lässt sich dann an Ihren Anforderungen ausrichten, statt an einer einzelnen Prozentzahl. Zum wirtschaftlichen Vergleich gehört unser Beitrag Kosten nachhaltiger Fonds. Wie Abstimmungen und Unternehmensdialoge beurteilt werden können, erklärt Engagement und Stimmrechte bei Fonds.