Nachhaltigkeit prüfen
Greenwashing bei Geldanlagen erkennen: 7 Prüffragen
Ein Waldmotiv auf der Broschüre ist schnell gefunden. Belastbare Angaben zu einer Geldanlage brauchen mehr: klare Kriterien, verständliche Unterlagen und Aussagen, die sich überprüfen lassen.
Mit KI-Unterstützung erstellt · Hinweise zu möglichen Fehlern und zur Nutzung
Je konkreter eine Nachhaltigkeitsaussage ist, desto gezielter lässt sie sich prüfen. Fehlende Nachweise sind ein Anlass für Rückfragen – allein noch kein Beweis für eine Täuschung.
In diesem Artikel
1. Was genau soll nachhaltig sein?
Bezieht sich die Aussage auf die gesamte Bank, einen einzelnen Fonds oder nur ein finanziertes Projekt? Notieren Sie den Geltungsbereich. Wenn ein Anbieter ein Umweltprojekt hervorhebt, folgt daraus nicht automatisch, dass alle seine Geschäftsbereiche nach denselben Kriterien arbeiten.
Trennen Sie außerdem Ist-Zustand und Zukunftsziel. „Wir wollen Emissionen senken“ beschreibt ein Vorhaben. Für den erreichten Stand brauchen Sie einen Bezugszeitraum und Ergebnisse. Die BaFin behandelt unbegründete oder irreführende Nachhaltigkeitsaussagen als relevantes Problem im Finanzmarkt. Einordnung der BaFin zu Greenwashing.
2. Wo stehen die verbindlichen Regeln?
Suchen Sie die Aussage aus der Werbung in den Anlagebedingungen, im Prospekt oder in den vorvertraglichen Nachhaltigkeitsinformationen wieder. Ein Slogan und eine verbindliche Beschränkung sind nicht dasselbe. Lassen Sie sich die genaue Fundstelle nennen und speichern Sie die Dokumentversion, auf die sich das Angebot bezieht.
3. Welche Ausnahmen und Schwellen gelten?
„Ohne fossile Energien“ klingt eindeutig, kann aber unterschiedlich umgesetzt sein. Erfasst die Regel alle relevanten Tätigkeiten? Gilt eine Umsatzschwelle? Werden einzelne Emittenten ausgenommen? Ein Filter ist erst verständlich, wenn auch seine Grenzen erklärt werden. Unser Beitrag zu ESG und SRI zeigt, warum ähnliche Produktnamen verschiedene Auswahlregeln verbergen können.
4. Passt die tatsächliche Anlage zur Aussage?
Bei einem Fonds helfen aktuelle Bestandslisten und Berichte, die beworbene Strategie mit den enthaltenen Positionen abzugleichen. Bei einem Projekt benötigen Sie Informationen zur konkreten Mittelverwendung. Ein einzelner überraschender Name ist noch kein abschließendes Urteil: Fragen Sie zunächst, weshalb er nach der veröffentlichten Methode zulässig ist.
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Offenlegungsangaben zu Artikel 8 oder 9 nicht als einfaches Qualitätssiegel oder automatische Bestätigung einer messbaren Wirkung verstanden werden sollten. Hinweise zur Einordnung der Produktinformationen.
5. Was wird gemessen – und womit verglichen?
Eine Angabe wie „weniger CO₂“ braucht einen Vergleich: weniger als wann, als welches Unternehmen oder als welcher Index? Fragen Sie auch, ob tatsächliche Emissionen, Schätzungen oder vermiedene Emissionen gemeint sind. Unterschiedliche Kennzahlen dürfen nicht ohne Erklärung gleichgesetzt werden.
Ein selbst gewählter Prüfvermerk kann sehr einfach sein: „Kennzahl vorhanden; Vergleichsbasis offen; Berechnung noch anzufordern.“ Das ist hilfreicher als eine vorschnelle Einteilung in gut oder schlecht.
6. Wer prüft die Aussagen?
Bei einem Siegel oder einer externen Bewertung zählen Prüfgegenstand, Kriterien, Datum und Reichweite. Wird nur ein Bericht kontrolliert oder auch die Anlagepraxis? Bezieht sich die Prüfung auf Umweltmerkmale oder auf wirtschaftliche Sicherheit? Eine positive Bewertung eines Teilaspekts beantwortet nicht automatisch die anderen Fragen.
7. Was passiert bei Zielverfehlungen?
Bitten Sie um ein Beispiel, wie mit einem Unternehmen oder Projekt umgegangen wird, das Vorgaben nicht mehr erfüllt. Gibt es Nachbesserungsfristen, Berichte oder einen Ausschluss? Eine nachvollziehbare Reaktion auf Probleme ist aussagekräftiger als eine Darstellung ohne erkennbare Grenzen.
Wenn wesentliche Fragen unbeantwortet bleiben, lassen Sie die Entscheidung offen. Vergleichen Sie alternative Angebote und holen Sie bei Bedarf unabhängige Beratung ein. Für Aussagen zur Wirkung hilft zusätzlich unser Beitrag über Impact Investing.